Berichte
Der Ausflug führte uns ins Museum der Alltagskultur in Waldenbuch. Wir starten um 12:30 Uhr am Hans-Rehn-Stift, um pünktlich die Führung um 14:15 Uhr beginnen zu können. Die Strecke nach Waldenbuch schlängelt sich gemütlich durch Wälder und Wiesen über Musberg und Steinenbronn. Schon von außen ist das Museum sehr imposant, denn es ist im Schloss von Waldenbuch untergebracht und verfügt über einen großen Schlosshof mit einem schönen Blick über Waldenbuch. Das Schloss entstand um 1560, als Jagdschloss des damaligen Herzogs von Württemberg. Im Museum selbst kann man die Lebensverhältnisse und Weltanschauungen der letzten 250 Jahre spüren und erleben. Die Führung brachte uns die Ausstellung „Wohnwelten“ näher. Thematisch sind die einzelnen Räume nach Schutz, Wärme, Sauberkeit und Familienleben gegliedert. Von Kohleneimer, Waschbrettern, Wärmflaschen und Wischmopps konnten wir alles bestaunen. Die Bewohner konnten sich an viele der ausgestellten Gegenstände lebhaft erinnern und hatten viele der Dinge früher selbst in Gebrauch. Die authentischen Wohnmilieus machten die Führung zu einem sehr berührenden und persönlichen Erlebnis für uns alle. Anschließend kehrten wir bei Kaffee und Kuchen in der Bäckerei Kettinger ein. Da es ein wirklich schöner und sonniger Frühlingstag war, konnten wir die Leckereien draußen genießen und die ersten Sonnenstrahlen einfangen. Es war mal wieder ein rundum gelungener Ausflug.
17.03.2018 Ostergarten Stuttgart
Am Samstag, 17.03.2018 führte uns der Hans-Rehn-Ausflug zum Ostergarten in Fellbach. Dieser findet auf dem ehemaligen Gelände der Gärtnerei Munder statt und erzählt sehr anschaulich die Entstehung des Osterfestes. Gestartet wurde wie üblich um 13:00 Uhr am Hans-Rehn-Stift. Die Fahrt dauerte aufgrund zahlreicher Baustellen und Umleitungen in Bad Canstatt leider länger als erwartet und wir erreichten den Ostergarten mit einer kleinen Verspätung, so dass sich die Gruppe für den Besuch aufteilen musste. Gleich im Eingangsbereich des Ostergartens konnten die Besucher in eine kleine Tierwelt eintauchen und vor allem Schafe und kleine Lämmer hautnah erleben. Nach kurzem Warten öffneten sich die Tore zum alten Jerusalem und wir schritten gemeinsam durch das damalige Gewusel und konnten Leckereien wie getrocknete Feigen oder Datteln kosten. In den weiteren Räumen wurden die letzten Stunden Jesu Christis sehr anschaulich dargestellt und man konnte realistische Einblicke gewinnen. Ein gemeinsames Abendmahl, der Berg Golgatha und das Gefängnis haben uns die Geschichte eindrücklich näher gebracht. Die Reise durch die Zeit wurde durch zahlreiche schauspielerische Aufführungen und Tanzeinlagen gestaltet und sprach alle Sinne an. Der Ostergarten ist für Klein und Groß ein besonders anschauliches Erlebnis und sollte auch in den nächsten Jahren wieder auf unserer Ausflugsliste stehen. Im Anschluss kehrten wir noch bei Kaffee und Kuchen in Fellbach ein. Der Ausflug endete gegen 19:30 Uhr und alle Bewohner und Helfer kamen erschöpft, aber glücklich wieder wohlbehalten am Hans-Rehn-Stift an.
Es war ein rundum gelungener Ausflug, der alle Sinne ansprach und uns gut auf die kommenden Osterfeiertage vorbereiten wird!
24.02.2018 Altes Schloß Stuttgart
An diesem wolkenlosen, ca. 5° kalten und windigen Tag war das Alte Schloß in Stuttgart das Ziel des Ausfluges. Das einladen in die Busse ging flott voran, und da die Führung erst 14.40 Uhr begann konnten wir ohne Zeitdruck das Ziel erreichen. Es blieb auch noch ein wenig Zeit ein wenig die Sonnenstrahlen zu genießen.
Da der Platz in der Sammlung für eine große Gruppe nicht ausreicht teilten wir uns wie geplant in zwei kleinere. Die eine konnte die „Legendären Meisterwerke“ bestaunen, die andere die „Wahren Schätze“. Mir ist während der Führung aufgefallen, wie umfangreich und in's tägliche Leben hineinwirkend die Verehrung der antiken, handgefertigten Gottheiten war. Gott hat sein Volk Israel immer wieder vor dieser offensichtlichen Gefahr gewarnt. Und auch in unserem Land haben zwar viele Menschen schon mal von den „Zehn Geboten“ gehört, das diese anfangen mit „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben! Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was in den Wassern, unter der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der aber Gnade erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. wissen allerdings wenige.
Leider erwieß sich der anschließend geplante Besuch des Kaffee's „Alte Kanzlei“ als nicht möglich, es war einfach zu voll. Auch in der näheren Umgebung war kein Kaffee zugänglich. So fuhren wir wieder zum Hans Rehn Stift und ließen den Tag im Cafe Goldner ausklingen.
Dort ergab sich als kleine Episode, das Kiri (eine der Ehrenamtlichen Helfer) den Wirt so gut unterstützte, das ein anderer Gast sie offensichtlich verwechselte und, als sie dann bei uns saß, auf sie zukam und fragte, ob sie auch mal zu ihnen komme.
01.2018 Bericht im Hans-Rehn-Magazin über Frau Friedel (inzwischen leider verstorben)
ICH HABE IMMER GLÜCK GEHABT!
Als ich Gisela Friedel bei unserem ersten Gespräch nach ihrem
Vornamen frage, denke ich bei ihrer ersten Antwort noch, dass
sie mich missverstanden hat. Denn sie antwortet mit „Friedel“.
Ich denke zuerst, ich habe mich nicht richtig ausgedrückt, und
betone, dass ich gerne ihren Vornamen wissen wurde… Sie
lacht, so wie sie immer lacht, und sagt dann zu mir: „Ich heiße
Friedel Gisela Friedel. Ja, mein erster Vorname ist Friedel‚ und
ich habe einen Friedel geheiratet.”
Ich staune nicht schlecht, und sie scheint darüber amüsiert zu
sein. Ich erfahre im Nachhinein, dass man sie im Hans Rehn
Stift hauptsächlich als Gisela Friedel kennt. Schon beim ersten
Treffen, als sie ihre Bereitschaft für das biographische Gespräch
erklärte, war mir ihr Lachen aufgefallen. Ein helles und klares
Lachen, das sehr spontan und authentisch herüber kommt. Ein
besonderes Lachen, das zu ihrem freundlichen Gesicht passt.
Als sie erzählt, dass sie 97 Jahre alt ist, denke ich schon Wieder, dass es sich um ein Missverständnis handelt. Dass sie viel
jünger aussieht und Wirkt, empfinde nicht nur ich so, erfahre
ich später.
Aber nun schauen wir mal zurück auf den 31.05.1920, als
Gisela Friedel in Zschopau (Erzgebirge) das Licht der Welt erblickt. Dieser Tag beginnt nämlich tatsächlich mit einem Missverständnis. Ich erfahre, dass der Vater von Gisela Friedel sich
sehr einen Sohn gewünscht habe. Nach der Geburt, welche
eine Hausgeburt ist, hält die Tante den kleinen Säugling in den
Armen und eilt schnell zum Vater, um ihm die freudige Botschaft zu übermitteln. Sie erzählt ihm, dass es ein Sohn ist,
und er freut sich sehr. Der Sohn soll Siegfried heißen. Es muss
etwa fünf Minuten gedauert haben, bis die Tante wieder zu ihrem
Bruder rennt und ihn aufklärt. Es ist doch kein Junge. Die Nabelschnur hatte sich zwischen die Beine des Säuglings gelegt und
für eine Täuschung gesorgt; es sei ein Mädchen. Nun waren
es zwei Mädchen, denn auf Gisela Friedel wartete eine fünf Jahre
ältere Schwester. Bei dieser Erzählung leuchten wieder ihre
Augen, und sie lacht ihr Lachen, das sie immer lacht.
Ihre Kindheit beschreibt sie als sehr schön. Der Vater habe gut
verdient, und die Mädchen seien immer schön angezogen gewesen. Als Kind verbringt sie viel Zeit draußen beim Spielen
mit anderen Kindern. Sie erzählt mir auch, dass sie als Kind
gerne Klavier gespielt habe, an Weihnachten sogar mit ihrer
Schwester gemeinsam vierhändig
Gisela Friedel besucht die Bürgerschule und im Anschluss
daran die Oberschule bis zum 15. Lebensjahr, lhr Vater, der
ursprünglich bei der Sparkasse in Zwickau arbeitet, fängt
zu dieser Zeit an, mit Stoffen zu handeln. Er möchte „unter
Menschen” sein und gibt seine Stelle bei der Sparkasse auf.
Gisela Friedel ist von nun an viel mit ihrem Vater unterwegs.
Sie begleitet ihn auf Geschäftsreisen, die beiden haben immer
einiges an Stoff dabei, übernachten in Hotels und lernen viele
neue Menschen kennen.
Bei den Geschäftsreisen und Stoffmessen fällt Gisela Friedel
durch ihre schönen Kleider auf, die von der Patentante zugeschnitten und von der Mutter genäht werden. Die Kunden
sind von den schönen Kleidern der Tochter begeistert und
bestellen bei ihrem Vater die dafür verwendeten Stoffe. Ein
besseres Marketing hätte sich der Vater nicht ausdenken können, sage ich zu ihr, und sie lacht wieder ihr Lachen, das sie
immer lacht. Aber nicht nur die Kleider waren es, sie sei ja
auch eine hübsche, junge Dame gewesen, sagt sie und zeigt
auf ein Poster in ihrem Zimmer, auf welchem mehrere Bilder
aus ihrer Kindheit und Jugend zu sehen sind. Ich entdecke das
Foto einer reizenden, jungen Dame mitten auf dem Poster und
kann mir jetzt gut vorstellen, dass die Umsätze des Vaters in
ihrer Anwesenheit gestiegen sein müssen.
Im Alter von 18 Jahren lernt sie ihren Mann Johannes Friedel
in einem Tanzcafe kennen Sie ist dort mit ihren Eltern, und ihr
Mann ist von Beginn an sehr von ihr angetan. Er habe sich damals gedacht, dass das „ein anständiges Mädel“ sein müsse,
da sie mit ihren Eltern unterwegs war, erzählt sie. Es folgte die
erste Tanzaufforderung und das Kennenlernen.
Das Paar heiratet und bekommt zwei Jahre später eine Tochter.
1955 folgt die Flucht aus der DDR. Zuerst kommt ihr Mann
alleine nach Stuttgart, später folgt Gisela Friedel samt Tochter.
Nicht nur die Flucht sei beschwerlich gewesen, auch der
Neuanfang in der neuen Heimat gestaltete sich mühsam, erzählt sie. Sie haben anfangs nur ein Zimmer in einer Pension,
welches ihr IVIann angemietet hatte.
Glücklicherweise findet ihr Mann schließlich einen guten Arbeitsplatz bei der Landesbank, und Gisela Friedel bekommt
später eine Stelle beim Sparkassenverlag, bei welchem sie
schließlich viele Jahre arbeitet. Die Arbeit macht ihr Spaß, und
nach und nach bauen sie sich hier schließlich ein neues Leben
auf.
Seine Urlaubszeit verbringt das Paar hauptsächlich in den Bergen.
Ihr Mann wandert sehr gerne, und so ist die kleine Familie immer
viel unterwegs. Das Paar verbringt 60 gemeinsame Jahre,
von ihrem verstorbenen Ehemann spricht sie sehr liebevoll. Sie
hätten immer zusammengehalten, betont sie, und sie weiß
sich glücklich zu schätzen, dass sie mit ihrem Ehemann so viele
wunderbare Jahre verbringen durfte.
Auf einem Schränkchen entdecke ich eine geschnitzte Laterne
mit der Aufschrift „Vergaß dei Hamit net”. Diese Laterne habe ihr Vater für sie geschnitzt, erzählt sie. Auf der Laterne, welche
nachts leuchtet, ist ihr Geburtshaus zu sehen. So kann sie täglich
auf ihr Geburtshaus blicken. Auf dem Tisch liegen Kisten voller
Grußkarten, welche mit persönlichen Wünschen von lieben
Menschen geschrieben sind. Viele Karten sind von der Tochter,
die viel in der Welt unterwegs ist. Sie zeigt auf die Kommoden
in ihrem Zimmer, welche voll mit sorgfältig zusammengestellten
Fotoalben von Familienangehörigen und Freunden sind. An den
Wänden sind liebevoll gestaltete Bildposter von ihr und ihrer
Familie. Gisela Friedel ist umgeben von guten Wünschen und
schönen Erinnerungen. Im Hans Rehn Stift fühlt sie sich gut
aufgehoben. Hier kümmere man sich um die Leute, erzählt
Sle mir.
Als ich sie am Ende unseres Gespräches nach dem Rezept für
ihre Jugendlichkeit frage, antwortet sie: „Ich habe den richtigen
Mann geheiratet!“ Nun, dieses Rezept kannte ich so noch
nicht. Allerdings sei es auch Wichtig, freundlich zu sein und
dem Leben auch mit Humor zu begegnen. Außerdem, so fügt
sie noch hinzu, habe sie immer Glück gehabt im Leben, und
darüber sei sie sehr froh.
Beim Abschied lacht Gisela Friedel Wieder ihr Lachen, das sie
immer lacht, und entlässt mich mit guten Wünschen. Und ich
bin dankbar für die fröhlichen und nachdenklichen Stunden
mit ihr und dass sie mich an ihren Lebenserinnerungen teilnehmen ließ.
23.09.17 Bärenschlößle
Am 23.09.2017, nach der Sommerpause, fand endlich wieder ein Ausflug für die Seniorinnen und Senioren des Hans-Rehn-Stifts statt. Dieses Mal begleiteten wir die Bewohnerinnen und Bewohner an den Bärensee zum Bärenschlößle. Nach einer Fahrzeit von ca. 20 Minuten ging es dann vom Parkplatz auf einem abschüssigen Weg Richtung See. Insgesamt dauerte der Spaziergang bis zum See circa eine Stunde. Auf dem Weg konnten wir bereits die herbstlichen Sonnenstrahlen genießen. Nachdem Herr Huttenlocher einmal „ausgebüchst“ war und wir ihn wieder „einfangen“ mussten, kamen wir hungrig und durstig am Schlößle an. Zur Stärkung gab es für die Nachkatzen unter uns wie immer Kaffee und eine große Auswahl an leckeren Kuchen, aber auch Currywurst und Saftschorle, für die „Salzliebhaber“. Nachdem alle gestärkt waren setzten wir uns noch in die Sonne und konnten, bei strahlendem Sonnenschein und angenehmer Temperatur, den Blick auf den Bärensee genießen. Bei einigen Bewohnerinnen und Bewohnern wurden Erinnerungen an früher wach und sie erzählten Geschichten aus ihrer Kindheit. Viele der Bewohner und Bewohnerinnen hatten schon in ihrer Kindheit, Jugend und im Erwachsenenalter Ausflüge zum Bärenschlößle und zum See unternommen. Um circa 17 Uhr ging es dann zurück zu den Bussen und zum Hans-Rehn-Stift.
Alles in allem war es wieder einmal ein sehr gelungener Ausflug.